4. Bremer Auszeichnung für Baukultur (20.10.2020)

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HANS-ALBRECHT SCHILLING ERHÄLT BREMER AUSZEICHNUNG FÜR BAUKULTUR


Das Bremer Zentrum für Baukultur veröffentlichte bereits 2020 die begleitende Festschrift zur voraussichtlichen Ehrung  (posthum) in diesem Jahr.

Über die Preisverleihung

Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS) und das Bremer Zentrum für Baukultur b.zb verleihen in unregelmäßigen Abständen die Bremer Auszeichnung für Baukultur. Als vierter Preisträger wurde 2020 der Künstler und Farbgestalter Hans-Albrecht Schilling geehrt. Schilling wurde 1929 in Bremen geboren, studierte hier nach dem Krieg an der Staatlichen Kunstschule und ist ab den 1950er Jahren mit zahlreichen Kunstwerken an öffentlichen Gebäuden vertreten. Die Bremer Auszeichnung für Baukultur würdigt aber vor allem sein Hauptwerk, dass sich ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte: seine Arbeit als Farbgestalter, vor allem von Großwohnsiedlungen.

Auszug Festschrift S 22 23 Übersicht WerkAuszug Festschrift S 178 179 Sanierung Plattenbauten Berlin Fotos Hans Albrecht SchillingWerksübersicht, Auszug aus der Festschrift S. 22 und 23 (oben)
Sanierung von Plattenbauten in Berlin, Auszug aus der Festschrift S. 178 und 179, Fotos: Hans-Albrecht Schilling (unten)

Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau Dr. Maike Schaefer würdigt den Preisträger: „Ich habe mich sehr über den Vorschlag des Bremer Zentrums für Baukultur gefreut, Hans-Albrecht Schilling die Bremer Auszeichnung für Baukultur zu verleihen. Wir stellen damit einen vielleicht weniger bekannten Bremer „Hidden-Champion“ der Öffentlichkeit vor, der mit seinem umfangreichen und langjährigen Werk viel zur konkreten Verbesserung des Wohnumfelds und damit der Lebensumstände von Bewohnerinnen und Bewohnern von Großsiedlungen in Bremen und weit darüber hinaus geleistet hat. Ich danke dem b.zb für die inhaltlich und gestalterisch wirklich gelungene Festschrift.“
Der wissenschaftliche Leiter des b.zb Prof. Dr. Christian von Wissel ergänzt: „Das Werk von Hans-Albrecht Schilling zeigt, dass gestalterischer Anspruch in allen öffentlichen Räumen und allen Bereichen der Gesellschaft notwendig ist und positive Wirkungen entfaltet. Das Thema Farbe scheint dabei auf den ersten Blick ein einfacher Ansatz zu sein und wird häufig unterschätzt. Wenn man sich jedoch näher mit dem Werk und der Person Hans-Albrecht Schilling beschäftigt, wird einem die Breite des Themas im Allgemeinen und die ausgereifte und differenzierte Vorgehensweise Schillings im Besonderen bewusst, die auf langjährigen Erfahrung und einem geschulten, künstlerischen Auge beruht.“

Die für den Sommer 2020 vorgesehene Preisverleihung, die als feierlicher Senatsempfang in der Oberen Rathaushalle stattfinden sollte, ist aufgrund der Corona-Pandemie verschoben worden. Im Mai 2021 ist Hans-Albrecht Schilling leider verstorben. Die Ehrung soll dennoch posthum erfolgen. Bereits jetzt wird sein Werk in der begleitenden Publikation gewürdigt.

Nikolai Wolf Fotoetage Neue VahrNeue Vahr 2020, Foto: Nikolai Wolff, Fotoetage

Über das Werk von Hans-Albrecht Schilling

Als junger Künstler wurde Hans-Albrecht Schilling 1954 für die Farbgestaltung der Gartenstadt Vahr und später der Neuen Vahr engagiert. Zu dieser Zeit gab es wenige Vorbilder für diese spezialisierte Form der gestalterischen Arbeit, sodass Hans-Albrecht Schilling zu einem Pionier in diesem Tätigkeitsfeld avancierte. Schilling ist es dabei wichtig zu betonen: „Farbe ist keine Zutat zur Architektur, sie ist ein Element der Baukunst.“ Dennoch wird sie häufig als reines Verzierungselement missverstanden. Im Laufe der Jahre entwickelte Schilling ein übergreifendes Konzept zur Nuancierung von Farbtönen, der Gewichtung von Weiß- und Farbanteilen an unterschiedlichen Baumassen sowie eine ausführliche eigene Farbpalette, die auf den Einsatz an Gebäuden abgestimmt ist. Gerade die übergreifenden Aspekte stehen im Mittelpunkt des seines Denkens: „Was mich immer interessiert hat, ist der städtebauliche Zusammenhang, der durch Farbe akzentuiert wird.“ Neben den psychologischen Effekten sprechen dabei auch praktische Gründe für den Einsatz von Farben in Architektur und Städtebau von Großwohnanlagen. Eine durchdachte farbliche Gestaltung kann architektonische Elemente oder Details betonen, Quartiere und eine Adressbildung schaffen, Orientierung im Straßenraum geben, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei sieht Schilling die farbliche Gestaltung als einen fortlaufenden und nicht endenden Prozess in den sich stetig verändernden Siedlungen. Sie folgt nicht in erster Linie Moden oder Geschmacksfragen, vielmehr stehen die Anpassungen häufig in Zusammenhang mit baulichen Maßnahmen und sind abhängig von veränderten Umgebungsfaktoren wie beispielsweise dem wachsenden Grün im Außenraum, auf die der Farbgestalter Rücksicht nehmen muss. Eine gute farbliche Gestaltung kann dabei Probleme wie Eintönigkeit der Siedlungen, Vandalismus oder Angsträume verringern helfen.

Gartenstadt Vahr 1950er Jahre bzb Fotograf Franz ScheperGartenstadt Vahr in den 1950er Jahren, Foto: Franz Scheper (Archiv b.zb)

Aus dieser stetig wachsenden Expertise heraus wurde Schilling bald überregional zu einem anerkannten Fachmann und arbeitete an vielen neuen Siedlungen der 1950er, 1960er und 1970er Jahre im gesamten Bundesgebiet. Neben den Siedlungen gestaltete Hans Albrecht Schilling auch die Inneneinrichtungen von Krankenhäusern, Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden. Ab den 1980er Jahren verschob sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit von Neubauten hin zu Sanierungen. Er verfeinerte sein gestalterisches Grundkonzept und entwickelte eigene Entwürfe weiter, beispielsweise in der Neuen Vahr, oder wurde zur Sanierung älterer Siedlungen hinzugerufen. Nach der Wiedervereinigung war er verstärkt auch in Ostdeutschland und hier vor allem in Berlin aktiv. Dies beinhaltete auch weitergehende Sanierungsaufgaben, die über reine Fassadengestaltung mit Farben hinausging, wie der Verbesserung von Eingängen oder Balkonanbauten. Auch bei denkmalgerechten Farbrekonstruktionen, unter anderem von Siedlungen aus den 1920er Jahren in Berlin (exemplarisch ist hier die Siedlung Carl-Legien von Bruno Taut zu nennen, welche heute als Weltkulturerbe anerkannt ist) und Magdeburg, wurde Hans-Albrecht Schilling als Berater hinzugezogen. Bei seinem jüngsten Projekt, der Umgestaltung einer ehemaligen Kaserne zu einem Tagungszentrum, war er für das gestalterische Gesamtkonzept verantwortlich.

Auszug Festschrift S 182 183 Reproduktion Doppelseite aus Hans Albrecht Schillings FarbenbuchDoppelseite aus Hans-Albrecht Schillings Farbenbuch, Auszug aus der Festschrift, S. 182 und 183 (Reproduktion)

Über die Festschrift

Das Buch stellt das Leben und Werk Hans-Albrecht Schillings anhand eines ausführlichen Textes von Eberhard Syring auf Basis mehrerer Interviews dar. Reprints eigener Texte von Hans-Albrecht Schilling aus den 1950er Jahren dokumentieren die zeitgenössische Sichtweise auf seine Arbeit. Ein Spaziergang im Austausch mit Bewohner*innen der Neuen Vahr gibt einen gegenwärtigen Blick auf das Werk und weitere Beiträge beleuchten seine Arbeitsweise sowie seine Projekte im Berlin der Nachwendezeit. Ergänzt wird das im Schünemann Verlag erschienene Buch durch ein Werkverzeichnis. 250 aktuelle und zeitgenössische Fotos sowie Auszüge aus seiner umfangreichen, selbstentwickelten Farbpalette komplettieren das Werk. Es erscheint mit drei Einbandvarianten in unterschiedlichen Farben.

Farbe undTitel Festschrift blau Raum – Hans-Albrecht Schilling
Schriftenreihe des Bremer Zentrums für Baukultur Band 18
Hrsg. von Christian von Wissel und Jörn Tore Schaper im Auftrag des Bremer Zentrums für Baukultur
Schünemann Verlag
ISBN 978-3-7961-1096-2
25 Euro
Erhältlich beim Bremer Zentrum für Baukultur
(bestellung@bzb-bremen.de / 0421 – 96 02 136) oder im Buchhandel.

Einer von drei unterschiedlich farbigen Buchtiteln



Über die Bremer Auszeichnung für Baukultur

Die Bremer Auszeichnung für Baukultur würdigt Personen oder Gruppen, die sich um das baukulturelle Geschehen in Bremen auf verschiedenste Weise verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind Prof. Dr. Klaus Hübotter, der Arbeitskreis Ostertorsanierung sowie der ehemalige Senatsbaudirektor Eberhard Kulenkampff und sein damaliges Team. Die Auslober sind dabei bemüht, die unterschiedlichen Facetten baukulturellen Wirkens zu berücksichtigen, was sich in den Aktionsfeldern der bisherigen Preisträger, aber auch in dem aktuellen Vorschlag widerspiegelt.

Hans Albrecht Schillingin seinem Atelier Fotografin Antonina GernHans-Albrecht Schilling, Foto: Antonina Gern

Lesen Sie auch die folgenden Zeitungsartikel zur Vergabe des Bremer Baukultur Preises an Hans-Albrecht Schilling:

DAB_Regional_Bremen (09_2020); "Hans-Albrecht Schilling erhält Auszeichnung für Baukultur - Festschrift würdigt den Farbgestalter der Gartenstadt Vahr" (Jörn Schaper)

Weser Kurier (21.10.2020); "Der Rücksichtsvolle - Der Künstler und Designer Hans-Albrecht Schilling wird mit der Bremer Auszeichnung für Baukultur geehrt" (Silke Hellwig)

Kreiszeitung (23.10.2020); "Farbe für Wohnsiedlungen - Meister der Nuancen: Baukultur-Preis geht an Hans-Albrecht Schilling" (Thomas Kuzaj)

Kreiszeitung (19.11.2020); "Jahrzehntelang Arbeit mit `Farbe und Raum´" (Thomas Kuzaj)

Malerblatt (2020_12); "Farbgestaltung von Plattenbauten - Auszeichnung"
Balken

3. Bremer Auszeichnung für Baukultur (29.01.2016)

Logo Auszeichnung2016 ging an Eberhard Kulenkampff und sein Team!

Am Freitag, den 29. Januar 2016 um 18:00 Uhr wurde in der Oberen Halle des Bremer Rathauses zum dritten Mal die „Bremer Auszeichnung für Baukultur“ verliehen. Zuvor wurde im Jahre 2007 Dr. Klaus Hübotter und im Jahre 2009 dem Arbeitskreis Ostertorsanierung (AKO) diese Ehrung zuerkannt. Das Bremer Zentrum für Baukultur und der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr würdigen mit diesem Preis in unregelmäßiger Abfolge Einzelpersonen oder auch Gruppen, die sich um die Baukultur der Stadt verdient gemacht haben.

In diesem Jahr erhielt der ehemalige Senatsdirektor Eberhard Kulenkampff und stellvertretend für sein damaliges Team beim Senator für Bauwesen Bernd Andreas, Detlef Kniemeyer, Ernst Friedrich Meyer-Loose, Siegfried Obermeier und Volkrad Stampa die „Bremer Auszeichnung für Baukultur“. Die Ehrung nahm der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr Dr. Joachim Lohse vor. Die Laudatio sprach der Senator a. D. Bernd Meyer.

Eberhard Kulenkampff war von 1974 bis 1987 Senatsdirektor unter den Bausenatoren Stefan Seifriz und Bernd Meyer und danach bis 1994 Geschäftsführer der Wohnungsbaugesellschaft Gewoba. In einer Zeit städtebaulichen Wandels nach den Jahrzehnten des (Wieder-) Aufbaus und des raschen Wachstums der Stadt stellte Kulenkampff die Weichen zu mehr Qualität in der Gestaltung städtischer Räume. Dabei lag ihm zum einen die Entwicklung der Innenstadt am Herzen. Wichtige Neugestaltungen öffentlicher Räume (unter anderem Domshof, Domsheide, Liebfrauenkirchhof, Teerhof) fallen in die Ära Kulenkampff. Neben der Neugestaltung der Innenstadt war zum anderen eine Verbesserung der Lebensqualität in den Quartieren für ihn ein wichtiges Ziel. Aber auch der Rückbau von verkehrsplanerischen Großprojekten der sechziger Jahre wurde unter seiner Regie durchgeführt. Diese Themen begleiteten ihn auch in seiner Aufgabe als erstem Geschäftsführer der GEWOBA nach der Rekommunalisierung. Er leitete das Unternehmen bis 1994.

Als oberste fachliche Instanz im bremischen Bauwesen trat Eberhard Kulenkampff als ebenso markante wie durchsetzungsstarke Persönlichkeit hervor, die mitunter auch zu eigenwilligen Methoden neigte. Stadtplanung und Stadtentwicklung waren für ihn keine rein technologischen Vorgänge, sondern stets auch in einen großen kulturellen Rahmen eingebunden. Bildende Künstler verstand er beispielsweise als wichtige Anreger auch für seine Disziplin. Zudem war Kulenkampff in der überörtlichen Fachwelt gut vernetzt und anerkannt, was durch zahlreiche Aufsätze und Reden belegt ist. Eine Auswahl davon hat das Bremer Zentrum für Baukultur aktuell in seiner Schriftenreihe (Band 17) aus Anlass der Auszeichnung erstmals veröffentlicht.

Das WirEberhard Kulenkampffken Kulenkampffs hat in Bremen nachhaltig Spuren hinterlassen. Das von Kulenkampff und seinem Team Vorbereitete trägt auch heute noch Früchte. Aufgrund dieser Leistungen erhielt Eberhard Kulenkampff am 29. Januar 2016 die „Bremer Auszeichnung für Baukultur“. Da sich Kulenkampff stets als „Teamplayer“ verstand, wollte er nicht allein, sondern mit exemplarisch ausgewählten Vertretern seiner früheren Mitarbeiter geehrt werden. Die Auswahl fiel auf den ehemaligen Leiter des Gartenbauamts Bernd Andreas, auf den ehemaligen Leiter des Stadtplanungsamtes Detlef Kniemeyer, auf den ehemaligen Abteilungsleiter Allgemeine Verwaltung Siegfried Obermeyer sowie auf den Architekten Ernst Friedrich Meyer-Lohse und auf den ehemaligen Leiter Stadtstraßenplanung beim Amt für Straßen- und Brückenbau Volkrat Stampa.


Die Urkunde zur Bremer Auszeichnung für Baukultur 2016 als pdf-Datei.

Lesen Sie dazu auch den Artikel von Thomas Kuzaj aus der Kreizeitung vom 28.01.2016: "Richtungsweisende Spuren - Eberhard Kulenkampff bekommt die Bremer Auszeichnung für Baukultur" und den Beitrag von Jürgen Hinrichs aus dem Weser Kurier vom 30.01.2016: "Immer das Gleiche, total uniform - Eberhard Kulenkampff, Ikone der Bremer Baukultur, über Architektur und Stadtplanung" sowie den Essay "Bremer Auszeichnung für Baukultur an Eberhard Kulenkampff und sein Team" von Eberhard Syring im Deutschen Architektenblatt 2016/3, ferner den Beitrag, ebenfalls von Eberhard Syring, aus "der aufbau, Juni 2016, "Eine markante und durchsetzungsstarke Persönlichkeit".

Einladung

An dieser Stelle zeigen wir einige Fotos von der Abendveranstaltung "Verleihung der Bremer Auszeichnung für Baukultur 2016" am 29. Januar 2016 in der Oberen Halle des Bremer Rathauses. Alle vorgestellten Fotos wurden von dem Fotografen Nikolai Wolff gemacht. Nähere Informationen über Nikolai Wolff und seine Arbeiten finden Sie auf der folgenden Internetseite der «fotoetage Bremen».

(Zum Vergrößern der Bildikons bitte auf die Fotos "klicken".)

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2. Bremer Auszeichnung für Baukultur (16.01.2009)

Am 16. Januar 2009 wurde in der Bremer Oberen Rathaushalle zum zweiten Mal die "Bremer Auszeichnung für Baukultur" vergeben.

Mit dieser Auszeichnung ehrt der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa zusammen mit dem Bremer Zentrum für Baukultur Personen, „die sich durch ihr Engagement für das historische Stadtbild, für die städtebauliche und baukünstlerische Entwicklung und für die Vermittlung baukünstlerischer Werte – insbesondere in Bremen – verdient gemacht haben.“
Das Bremer Zentrum für Baukultur sieht in dieser Auszeichnung eine vorzügliche Möglichkeit, auf die Bedeutung der Baukultur für das städtische Leben hinzuweisen und die Bewohner für die Schönheit ihrer Stadt zu begeistern.

Die diesmalige Ehrung gilt einer Gruppe von Bremer Bürgerinnen und Bürgern, die sich vor 35 Jahren gegen den Bau der Mozarttrasse zur Wehr setzte und damit das Ostertor vor der drohenden Stadtzerstörung rettete. Sie hat damit den Boden für eine neue Planungskultur in Bremen bereitet. Die Bremer Auszeichnung für Baukultur 2009 wurde an die folgenden Mitglieder des Arbeitskreises Ostertorsanierung Dieter Decker, Olaf Dinné, Hanna Ehmke, Dr. Hans-Jürgen Kahrs, Ursel und Thomas Kerstein, Wolfgang Linder, Uwe Martin, Prof. Karsten Schwerdtfeger, Gert W. Settje, Hans Martin Sixt, Ulrike Schellpeper und Herbert Wulfekuhl verliehen.

Begründung
Der Arbeitskreis Ostertorsanierung ist im März 1969 gegründet worden, um die betroffene Bevölkerung an der Ostertorsanierung zu beteiligen und die Ziele der Sanierung kritisch zu begleiten. Anfangs hat er Befragungen im Ostertorviertel durchgeführt, danach eine Reihe von Vorschlägen zu einem alternativen Sanierungskonzept gemacht, nach Anhörungen der Einwohner eine Broschüre gegen die Planung der so genannten Mozarttrasse vorgelegt und beharrlich die Verhinderung der Trasse betrieben.

Die Mitglieder des Arbeitskreises standen in der Folgezeit im Zentrum der immer größer werdenden Bewegung gegen die Trassenplanung, gegen den Abriss der historischen Bebauung des Ostertorviertels mit seinen Bremer Häusern und gegen die Entwürfe einer neuen Hochhausbebauung an dieser Stelle. Ihre Initiative hat 1973/1974, also vor 35 Jahren, zum Erfolg gehabt, dass die über den Rembertikreisel hinausgehenden Trassenplanungen eingestellt wurden.

Mit seinem entschiedenen kommunalpolitischen Einsatz hat der Arbeitskreis den Boden für eine neue Planungskultur in Bremen bereitet und vielen Bürgerinnen und Bürgern in der Folgezeit Mut gemacht, sich in Initiativen oder in den Gremien der Stadtteilbeiräte für ihre Interessen in der Stadtplanung einzusetzen. Er hat zudem der breiten Öffentlichkeit den Blick für die urbane Qualität historisch gewachsener Stadtquartiere, ihre denkmalwerte Architektur und ihre kommunikative Funktion geöffnet. Die Auswirkungen seines Einsatzes waren für die bremische Bevölkerung und die Bewohnerschaft der östlichen Vorstadt seinerzeit sehr konkret und sind bis heute anschaulich nachvollziehbar:

  • Die kritische Betrachtung der damals üblichen und bis heute wirksamen Straßenplanungen in innerstädtischen Gebieten wie z.B. bei der Hochstraße am Breitenweg,
  • die Ablehnung Maßstab sprengender Bebauungen entlang solcher Trassen, wie sie z.B. beim 26stöckigen so genannten „Bauhof“ am Rembertikreisel vorgeschlagen wurden,
  • die Beendigung der Flächensanierung und des Abrisses wertvoller Bausubstanz am Rembertikreisel und entlang der geplanten Mozarttrasse,
  • die neue Wertschätzung der dort vorhandenen historischen Bebauung mit Wirkung für andere Bremer Stadtviertel,
  • die Entdeckung und wissenschaftliche / denkmalpflegerische Behandlung des „Bremer Hauses“ als eines gewohnten und seitdem immer mehr begehrten Bautyps in Bremen, ebenfalls mit Wirkung auf andere Stadtviertel,
  • die Entwicklung des „Ostertors“, des „Viertels“, zu einem beliebten Bremer Stadtteil mit eigener Stadtteilkultur.

Der Arbeitskreis hat sich aus all diesen Gründen um die Baukultur Bremens verdient gemacht.

Programm:Luftbild Tangente 1960

Begrüßung:
Dr. Sunke Herlyn
(Bremer Zentrum für Baukultur)

Laudatio:
Hans Koschnick †
(Bürgermeister a. D.)
InternetlinkText Laudatio

Preisverleihung:
Dr. Reinhard Loske
(Senator für Umwelt, Bau. Verkehr und Europa)

Danksagung:
Arbeitskreis Ostertorsanierung
InternetlinkText Danksagung

 Lesen Sie dazu auch den Artikel aus dem Weser Kurier vom 17.01.2009 mit dem Titel "Schulterschluss der alten Gegner".

2009 01 16 Auszeichnung

1. Bremer Auszeichnung für Baukultur (23.01.2007)

Im Januar 2007 wurde erstmals die „Bremer Auszeichnung für Baukultur“ vergeben. Sie wurde vom Bremer Zentrum für Baukultur (b.zb) geschaffen und soll in nicht festgelegten Zeitabständen an Persönlichkeiten vergeben werden, die sich um die Baukultur, insbesondere in Bremen, verdient gemacht haben.


Die erste Bremer Auszeichnung für Baukultur wurde am 23. Januar 2007 an Prof. Dr. Klaus Hübotter verliehen.

Foto Klaus Huebotter

Klaus Hübotter wird nicht nur als Förderer qualitätvoller Architektur (vor allem im Wohnungsbau) gewürdigt, heißt es in der Begründung, sondern vor allem „für seine Verdienste um die Erhaltung von stadtgeschichtlich bedeutsamen Bremer Altbauten und deren Umnutzung in Kultur- und Bildungseinrichtungen“. Die Liste der von Hübotter bearbeiteten Objekte reicht vom Schlachthof über die Villa Ichon bis zum Speicher XI, dem Haus der Wissenschaften und dem Bamberger Haus.

„Bei all diesen Projekten ging es um die Erhaltung typisch bremischer Altbauten, um neue Formen von Umnutzungsarchitektur, um die Ermöglichung von öffentlicher kultureller Nutzung, die der Architektur und dem kulturellen Leben in Bremen zugute gekommen ist.“

Thomas Recker Preis
Die Auszeichnung - eine eigens dafür geschaffene Skulptur des Künstlers Thomas Recker - wurde von Bausenator Ronald-Mike Neumeyer überreicht.

 

Lesen Sie dazu auch den Artikel aus dem Weser Kurier vom 24.01.2007:  "Materieller Gewinn ist ihm nicht alles".

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