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wohnen³   bezahlbar.   besser.   bauen.
   Architektonische Lösungen und künstlerische Interventionen

 05. Dezember 2021 – 03. Juli 2022

In der Ausstellung werden 15 internationale, architektonische Modelllösungen vorgestellt, darunter mit dem „Bremer Punkt“ und dem „Blauhaus“ sowie „Im Engenmoor 14“ auch beispielhafte Bauten aus Bremen und Bremerhaven. Wir möchten an dieser Stellle die bremischen Projekte aufgreifen, die beweisen, dass die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum im städtischen Raum möglich ist, ohne dabei auf architektonische Qualität verzichten zu müssen.
Aufgrund gesellschaftlicher Veränderungen, einer Binnenwanderung und der gestiegenen Einwohnerzahl ist die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum immens gestiegen. Die Bemühungen, genügend neue Wohnungen in den Städten zu errichten, sind zur Zeit noch nicht ausreichend. Gerade in Regionen mit besonderer Attraktivität  sind die Kommunen entsprechend aufgefordert, sich der neuen Situation zu stellen und bedarfsgerecht und kostengünstig zu bauen. Schnelle Lösungen sind dennoch nicht zu erwarten. Ungeachtet vieler Unwägbarkeiten gibt es andererseits heute schon Ansätze, die beispielsweise durch Nachverdichtung, Geschosswohnungsbau sowie serieller Fertigung zu kostengünstigen und attraktiven Wohnungen führen können und unserer Aufmerksamkeit bedürfen.

»Brermer Punkt«, mehrere Standorte in Bremen

Bremer Punkt Foto: Nikolai Wolff

Die ersten drei identischen Prototypen des Wohnprojekts „Bremer Punkt“ konnten erfolgreich in ein bestehendes Wohnquartier, der Gartenstadt-Süd von 1957, zur Nachverdichtung neu integriert werden. Die Gebäude wurden Anfang 2017 fertiggestellt. Vorausgegangen waren Überlegungen des Bauherrn, der GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen in Bremen, wie neue Wohneinheiten, schnell und günstig und in großer Zahl errichtet werden können, um der erhöhten Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum entgegenzutreten. In diesem Zusammenhang erkannte die GEWOBA, dass der Wohnungsmarkt, infolge geänderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, einen Wandel vollzogen hatte; das schwindende Interesse an vorhandenen Wohneinheiten führte zu einem Überschuss des Altbestandes, während Single-Wohnungen, barrierearme Kleinwohnungen oder Apartments für Großfamilien und Wohn- und Baugemeinschaften weiter nachgefragt wurden. Auf Initiative der GEWOBA und in Kooperation mit der Architektenkammer Bremen und dem früheren Senatsbaudirektor Franz-Josef Höing wurde im Jahre 2011 der Wettbewerb „Ungewöhnlich Wohnen!“ durchgeführt. Gefragt waren beispielhafte Lösungen an fünf unterschiedlichen Orten in den Bestandsquartieren, die einen neuen variablen Bautypus in die gewachsenen Nachbarschaften und Strukturen integrieren und trotz Serienproduktion (nicht unbedingte Anforderung des Wettbewerbs) allen Eventualitäten des jeweiligen Standortes angepasst werden kann.
Aus dem Wettbewerb gingen federführend die Architekturbüros LIN Architekten Urbanisten aus Berlin („Bremer Punkt“) und Spengler Wischolek aus Hamburg („Tarzan & Jane“) hervor, da ihre Entwürfe die Möglichkeit eröffneten, auf dem Bestandsgelände der GEWOBA auch kleinere Grundstücke und Freiflächen baulich zu erschließen und ihre Entwürfe entsprechend einer Serienproduktion optimal weiterentwickelt werden konnten.
Die beiden ersten Prototypen in der Gartenstadt-Süd wurden zunächst den Mietern aus dem Quartier angeboten und sind gerade von älteren Mietern mit einem geringen Platzbedarf sehr gut angenommen worden. Den dritten Neubau bekam ein inklusives gemeinschaftliches Wohnprojekt zugesprochen. Die Grundfläche ist mit ca. 14m x 14m recht klein, wodurch der Kubus alleinstehend oder als Koppelungsbau zur barrierefreien Erschließung von Altbauten, in bestehende innerstädtische Gebäudezusammenhänge eingegliedert werden kann. Das Gesamtergebnis sind bezahlbare und sehr attraktive Wohnräume mit hohem Standard; die Wohnungen sind in Holzbauweise ausgeführt, wodurch ein gutes Raumklima erreicht wird. Die großflächige Fassadenöffnungen, wie auch raumhoch verglaste Loggien, bilden zusammen mit dem dahinter liegenden Küchenbereich eine räumliche Einheit und sind fest in den Wohnbereich eingegliedert. Die Gebäudetechnik bietet den neuesten Stand der Technik und alle Wohnungen können barrierefrei erreicht werden. Die Ausrichtung der Unterkünfte nach Süd-Westen begünstigt die bioklimatischen Eigenschaften für die Bewohner:innen. Der Bremer Punkt erfüllt den Standard KfW Effizienzhaus 55. Die Wohnungen innerhalb des Gebäudes können sehr variabel durch ein „modulares Baukastensystem“ angepasst und die Wohnmodule in Holzbauweise zu großen Teilen abseits der Baustelle störungsfrei und witterungsunabhängig vorgefertigt werden. Somit kann Baulärm verringert werden und die Nutzung von Modulen bedeutet bei der Endmontage eine deutliche Zeitersparnis vor Ort. Auf dem Bauplatz wird zunächst der Gebäudekern aus Beton errichtet, um danach die vorgefertigten Module in den Bau anzuordnen. Durch den Hybridbau, also der Kombination von Holz und Beton im Aufbau des Gebäudes, wird die nötige Stabilität sichergestellt. Die von dem Architekturbüro geplanten, mit Holz verkleideten Außenfassaden wurden zunächst verworfen und Putzfassaden, allein schon aus brandschutztechnischen Gründen, den Vorzug gegeben.
Mit den Erfahrungen aus dem Erstellen der ersten Prototypen konnten neue Erkenntnisse in die weitere Entwicklung dieses Bautyps fließen. Nachfolgende Bauprojekte, wie zum Beispiel in den Bremer Ortsteilen Neustadt, Kattenturm und Schwachhausen, erhielten eine höhere Varianz an Wohnungsgrundrissen sowie generell erhöhte Wohnflächen. Es stehen theoretisch über 20 Grundrissvarianten zur Verfügung, die je nach Bedarf in den Geschossen frei kombiniert zusammenstellbar sind. Das erlaubt unterschiedliche Wohnungsgrößen zwischen 30 und 135 Quadratmetern; also vom Ein-Zimmer-Apartment bis zur großen Sechs-Zimmer-Wohnung. Das besagt, dass die Unterbringung von vier bis maximal elf Wohnungen innerhalb eines „Bremer Punktes“ auf vier Geschossen plausibel ist. So können die unterschiedlichsten Nutzergruppen angesprochen werden. 19 von 22 Wohnungstypen bestehen darüber hinaus den Anforderungen des Bremer Wohnraumförderungsprogramms. Eine effiziente Flächenausnutzung ist gegeben, da innerhalb der Wohnungen die Nutzungsflächen überlappend angeordnet sind und beispielsweise der Wohn-, Ess- und Küchenbereich eine Einheit bilden. Diese Gegebenheit wirkt und sich folglich auch positiv auf die Höhe der Miete aus. Selbst Optionen in der Ausführung des Daches sind möglich; im städtebaulichen Kontext sind sogar geneigte Dächer für den „Bremer Punkt“ denkbar. Aussagen der GEWOBA zufolge hat der "Bremer Punkt" die Serienreife erreicht.

GEWOBA Aktiengesellschaft Wohnen und Bauen

Rembertiring 27 | 28195 Bremen
Telefon: 0421 36 72-0 | www.gewoba.de

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»Im Engenmoor 14«, Bremerhaven-Lehe

Im Engenmoor Bremerhaven(c)Bernd Perlbach

Ein Neubauprojekt errichtet in einem ehemaligen Quartier für US-amerikanische Soldaten:innen, die bis in die 90er Jahre in Bremerhaven stationiert waren und dessen Bestandsgebäude weiterhin zur Vermietung angeboten werden. Das Führungsteam der Planungsabteilung der Städtischen Wohnungsgesellschaft Bremerhaven mbH (Stäwog) entwickelte unter der Leitung von Dipl.-Ing. Architekt Hans Joachim Ewert ein viergeschossigen Wohngebäude in serieller Bauweise und integrierten es auf dem eigenen Grundstück der Gesellschaft im Wohngebiet Engenmoor. Es entstanden 31 Zwei- und Dreizimmerwohnungen auf 62m². Die Aufenthaltsqualität im Freien konnte durch einen großzügigen, begrünten Innenhofbereich für alle Anwohner:innen erhöht werden. Also nicht nur Zutritt für die "neuen" Mieter:innen, sondern ebenfalls für die übrigen Anlieger:innen der benachbarten Wohnungen (siehe Abb. rechts).

Lageplan Quartier Engenmoor 14
Die Erdgeschosswohnungen haben Zugänge zu kleinen Mietgärten, die Appartements der höheren Etagen sind mit kleinen Balkonen ausgestattet. Die einzelnen Wohneinheiten können entweder mit Hilfe eines Treppenaufgangs oder eines Aufzugs auch barrierefrei erreicht werden. Dabei erfolgt der Weg zur Wohnungstür über verglaste Laubengänge. Die Wohnungen sind technisch so vorbereitet, dass eine Verbindung zu Medien wie Internet, Telefon oder Fernsehen ohne großen Aufwand hergestellt werden kann; selbst die Steuerung von sog. "smart home-Geräten" ist realisierbar. Ferner wird den Anwohner:innen eine Paketstation zur Verfügung gestellt. Zu guter Letzt können sich die Mieter:innen auf verschiedenen Gemeinschaftsflächen (Laubengänge, Foyer oder dem eigens geschaffenen Gemeinschaftsraum) begegnen und soziale Kontakte pflegen.
Das Projekt konnte kostengünstig entwickelt werden. Die serielle Bauweise, also das Konzept, das Gebäude nicht als Unikat, sondern als Grundmodel zur Serienfertigung in einem standardisierten Planungs- und  Bauverfahren zu denken, spart Zeit und Geld. Dabei geht es nicht darum, immer den selben Gebäudetypus zu wiederholen; sondern einzelne Module für den Wohnungsbau (Wände, Bäder, Küchen, etc.) als Baugruppen vorzufertigen und damit in die Serienproduktion zu gehen. Später werden diese werkseitig gefertigten Gebäudemodule auf der Baustelle zusammengesetzt. Somit wird es machbar, auch individuelle Lösungen umzusetzen (ähnlich dem Bremer Punkt).
Die Nachverdichtung im vorhandenen Quartier hat die Ausgaben wesentlich minimiert, da sich das betreffende Grundstück schon im Besitz der vor Ort ansässigen Wohnungsgesellschaft Stäwog befand. Diese Rahmenbedingung sicherte ferner einen größeren Gestaltungsrahmen, im Zuge dessen die Wahl des zukünftigen Standorts so gewählt wurde, dass auf die gängige aufwendige Gründung mit Pfählen verzichtet werden konnte. Der Bau der Wohnungen in das bestehende Quartier kann weiterhin den Zugriff auf die bereits bestehende Infrastruktur gewährleisten. Angesichts von Serienfertigung und Nachverdichtung wurden die Unkosten um 25 bis 30 % verringert, auf 2.500 € brutto pro m² (bei Betrachtung der unterschiedlichen Kostengruppen bezogen auf die reine Wohnfläche). Somit sind hinsichtlich der Ausstattung, des Schnitts und der Minimierung der Kosten für die Zielgruppen recht attraktive Wohnungen entstanden. Die Vorgaben für ein KfW 55-Effizienzhaus sind bei dieser Wohnbebauung erfüllt worden, das heißt, die Energiestandards sind um 45 % besser als ein Neubau nach gesetzlicher Energieeinsparverordnung.

Übrigens, das Bremerhavener Wohnprojekt "gemeinsam wohnen + leben e.V."  hat sich mit städtischer Unterstützung ihren Traum vom Wohnen erfüllt; 11 Wohnungen konnten von Gleichgesinnten innerhalb des Neubaus angemietet werden.

städtische wohnungsgesellschaft bremerhaven mbh

Barkhausenstr. 22 | 27568 Bremerhaven
fon 0471 9451-0 | www.staewog.de

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 »Das Blauhaus«, Kommodore-Johnsen-Boulevard 11, Bremen

Blauhaus

 

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