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HANS-ALBRECHT SCHILLING ERHÄLT BREMER AUSZEICHNUNG FÜR BAUKULTUR


Das Bremer Zentrum für Baukultur veröffentlicht bereits jetzt die begleitende Festschrift zur verschobenen Verleihung im nächsten Jahr.

Über die Preisverleihung

Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau (SKUMS) und das Bremer Zentrum für Baukultur b.zb verleihen in unregelmäßigen Abständen die Bremer Auszeichnung für Baukultur. Als vierter Preisträger wird 2020 der Künstler und Farbgestalter Hans-Albrecht Schilling geehrt. Schilling wurde 1929 in Bremen geboren, studierte hier nach dem Krieg an der Staatlichen Kunstschule und ist ab den 1950er Jahren mit zahlreichen Kunstwerken an öffentlichen Gebäuden vertreten. Die Bremer Auszeichnung für Baukultur würdigt aber vor allem sein Hauptwerk, dass sich ab Mitte der 1950er Jahre entwickelte: seine Arbeit als Farbgestalter, vor allem von Großwohnsiedlungen.

Auszug Festschrift S 22 23 Übersicht Werk
Auszug Festschrift S 178 179 Sanierung Plattenbauten Berlin Fotos Hans Albrecht SchillingWerksübersicht, Auszug aus der Festschrift S. 22 und 23 (oben)
Sanierung von Plattenbauten in Berlin, Auszug aus der Festschrift S. 178 und 179, Fotos: Hans-Albrecht Schilling (unten)

Die Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau Dr. Maike Schaefer würdigt den Preisträger: „Ich habe mich sehr über den Vorschlag des Bremer Zentrums für Baukultur gefreut, Hans-Albrecht Schilling die Bremer Auszeichnung für Baukultur zu verleihen. Wir stellen damit einen vielleicht weniger bekannten Bremer „Hidden-Champion“ der Öffentlichkeit vor, der mit seinem umfangreichen und langjährigen Werk viel zur konkreten Verbesserung des Wohnumfelds und damit der Lebensumstände von Bewohnerinnen und Bewohnern von Großsiedlungen in Bremen und weit darüber hinaus geleistet hat. Ich danke dem b.zb für die inhaltlich und gestalterisch wirklich gelungene Festschrift.“
Der wissenschaftliche Leiter des b.zb Prof. Dr. Christian von Wissel ergänzt: „Das Werk von Hans-Albrecht Schilling zeigt, dass gestalterischer Anspruch in allen öffentlichen Räumen und allen Bereichen der Gesellschaft notwendig ist und positive Wirkungen entfaltet. Das Thema Farbe scheint dabei auf den ersten Blick ein einfacher Ansatz zu sein und wird häufig unterschätzt. Wenn man sich jedoch näher mit dem Werk und der Person Hans-Albrecht Schilling beschäftigt, wird einem die Breite des Themas im Allgemeinen und die ausgereifte und differenzierte Vorgehensweise Schillings im Besonderen bewusst, die auf langjährigen Erfahrung und einem geschulten, künstlerischen Auge beruht.“

Leider musste die für den Sommer 2020 vorgesehene Preisverleihung, die als feierlicher Senatsempfang in der Oberen Rathaushalle stattfinden sollte, aufgrund der Corona-Pandemie verschoben werden. Sie wird nun voraussichtlich im nächsten Frühjahr nachgeholt. Bereits jetzt erscheint aber eine umfangreiche Festschrift.

Nikolai Wolf Fotoetage Neue VahrNeue Vahr 2020, Foto: Nikolai Wolff, Fotoetage

Über das Werk von Hans-Albrecht Schilling

Als junger Künstler wurde Hans-Albrecht Schilling 1954 für die Farbgestaltung der Gartenstadt Vahr und später der Neuen Vahr engagiert. Zu dieser Zeit gab es wenige Vorbilder für diese spezialisierte Form der gestalterischen Arbeit, sodass Hans-Albrecht Schilling zu einem Pionier in diesem Tätigkeitsfeld avancierte. Schilling ist es dabei wichtig zu betonen: „Farbe ist keine Zutat zur Architektur, sie ist ein Element der Baukunst.“ Dennoch wird sie häufig als reines Verzierungselement missverstanden. Im Laufe der Jahre entwickelte Schilling ein übergreifendes Konzept zur Nuancierung von Farbtönen, der Gewichtung von Weiß- und Farbanteilen an unterschiedlichen Baumassen sowie eine ausführliche eigene Farbpalette, die auf den Einsatz an Gebäuden abgestimmt ist. Gerade die übergreifenden Aspekte stehen im Mittelpunkt des seines Denkens: „Was mich immer interessiert hat, ist der städtebauliche Zusammenhang, der durch Farbe akzentuiert wird.“ Neben den psychologischen Effekten sprechen dabei auch praktische Gründe für den Einsatz von Farben in Architektur und Städtebau von Großwohnanlagen. Eine durchdachte farbliche Gestaltung kann architektonische Elemente oder Details betonen, Quartiere und eine Adressbildung schaffen, Orientierung im Straßenraum geben, um nur einige Beispiele zu nennen. Dabei sieht Schilling die farbliche Gestaltung als einen fortlaufenden und nicht endenden Prozess in den sich stetig verändernden Siedlungen. Sie folgt nicht in erster Linie Moden oder Geschmacksfragen, vielmehr stehen die Anpassungen häufig in Zusammenhang mit baulichen Maßnahmen und sind abhängig von veränderten Umgebungsfaktoren wie beispielsweise dem wachsenden Grün im Außenraum, auf die der Farbgestalter Rücksicht nehmen muss. Eine gute farbliche Gestaltung kann dabei Probleme wie Eintönigkeit der Siedlungen, Vandalismus oder Angsträume verringern helfen.

Gartenstadt Vahr 1950er Jahre bzb Fotograf Franz ScheperGartenstadt Vahr in den 1950er Jahren, Foto: Franz Scheper (Archiv b.zb)

Aus dieser stetig wachsenden Expertise heraus wurde Schilling bald überregional zu einem anerkannten Fachmann und arbeitete an vielen neuen Siedlungen der 1950er, 1960er und 1970er Jahre im gesamten Bundesgebiet. Neben den Siedlungen gestaltete Hans Albrecht Schilling auch die Inneneinrichtungen von Krankenhäusern, Schulen oder anderen öffentlichen Gebäuden. Ab den 1980er Jahren verschob sich der Schwerpunkt seiner Tätigkeit von Neubauten hin zu Sanierungen. Er verfeinerte sein gestalterisches Grundkonzept und entwickelte eigene Entwürfe weiter, beispielsweise in der Neuen Vahr, oder wurde zur Sanierung älterer Siedlungen hinzugerufen. Nach der Wiedervereinigung war er verstärkt auch in Ostdeutschland und hier vor allem in Berlin aktiv. Dies beinhaltete auch weitergehende Sanierungsaufgaben, die über reine Fassadengestaltung mit Farben hinausging, wie der Verbesserung von Eingängen oder Balkonanbauten. Auch bei denkmalgerechten Farbrekonstruktionen, unter anderem von Siedlungen aus den 1920er Jahren in Berlin (exemplarisch ist hier die Siedlung Carl-Legien von Bruno Taut zu nennen, welche heute als Weltkulturerbe anerkannt ist) und Magdeburg, wurde Hans-Albrecht Schilling als Berater hinzugezogen. Bei seinem jüngsten Projekt, der Umgestaltung einer ehemaligen Kaserne zu einem Tagungszentrum, war er für das gestalterische Gesamtkonzept verantwortlich.

Auszug Festschrift S 182 183 Reproduktion Doppelseite aus Hans Albrecht Schillings FarbenbuchDoppelseite aus Hans-Albrecht Schillings Farbenbuch, Auszug aus der Festschrift, S. 182 und 183 (Reproduktion)

Über die Festschrift

Das Buch stellt das Leben und Werk Hans-Albrecht Schillings anhand eines ausführlichen Textes von Eberhard Syring auf Basis mehrerer Interviews dar. Reprints eigener Texte von Hans-Albrecht Schilling aus den 1950er Jahren dokumentieren die zeitgenössische Sichtweise auf seine Arbeit. Ein Spaziergang im Austausch mit Bewohner*innen der Neuen Vahr gibt einen gegenwärtigen Blick auf das Werk und weitere Beiträge beleuchten seine Arbeitsweise sowie seine Projekte im Berlin der Nachwendezeit. Ergänzt wird das im Schünemann Verlag erschienene Buch durch ein Werkverzeichnis. 250 aktuelle und zeitgenössische Fotos sowie Auszüge aus seiner umfangreichen, selbstentwickelten Farbpalette komplettieren das Werk. Es erscheint mit drei Einbandvarianten in unterschiedlichen Farben.

Farbe undTitel Festschrift blau Raum – Hans-Albrecht Schilling
Schriftenreihe des Bremer Zentrums für Baukultur Band 18
Hrsg. von Christian von Wissel und Jörn Tore Schaper im Auftrag des Bremer Zentrums für Baukultur
Schünemann Verlag
ISBN 978-3-7961-1096-2
25 Euro
Erhältlich beim Bremer Zentrum für Baukultur
(Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / 0421 – 96 02 136) oder im Buchhandel.

Einer von drei unterschiedlich farbigen Buchtiteln


Über die Bremer Auszeichnung für Baukultur

Die Bremer Auszeichnung für Baukultur würdigt Personen oder Gruppen, die sich um das baukulturelle Geschehen in Bremen auf verschiedenste Weise verdient gemacht haben. Bisherige Preisträger sind Prof. Dr. Klaus Hübotter, der Arbeitskreis Ostertorsanierung sowie der ehemalige Senatsbaudirektor Eberhard Kulenkampff und sein damaliges Team. Die Auslober sind dabei bemüht, die unterschiedlichen Facetten baukulturellen Wirkens zu berücksichtigen, was sich in den Aktionsfeldern der bisherigen Preisträger, aber auch in dem aktuellen Vorschlag widerspiegelt.

Hans Albrecht Schillingin seinem Atelier Fotografin Antonina Gern
Hans-Albrecht Schilling, Foto: Antonina Gern

Lesen Sie auch die folgenden Zeitungsartikel zur Vergabe des Bremer Baukultur Preises an Hans-Albrecht Schilling:

Weser Kurier (21.10.2020); "Der Rücksichtsvolle - Der Künstler und Designer Hans-Albrecht Schilling wird mit der Bremer Auszeichnung für Baukultur geehrt" (Silke Hellwig)

Kreiszeitung (23.10.2020); "Farbe für Wohnsiedlungen - Meister der Nuancen: Baukultur-Preis geht an Hans-Albrecht Schilling" (Thomas Kuzaj)

Kreiszeitung (19.11.2020); "Jahrzehntelang Arbeit mit `Farbe und Raum´" (Thomas Kuzaj)
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