Am 16. Januar 2009 wurde in der Bremer Oberen Rathaushalle zum zweiten Mal die "Bremer Auszeichnung für Baukultur" vergeben.

Mit dieser Auszeichnung ehrt der Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa zusammen mit dem Bremer Zentrum für Baukultur Personen, „die sich durch ihr Engagement für das historische Stadtbild, für die städtebauliche und baukünstlerische Entwicklung und für die Vermittlung baukünstlerischer Werte – insbesondere in Bremen – verdient gemacht haben.“
Das Bremer Zentrum für Baukultur sieht in dieser Auszeichnung eine vorzügliche Möglichkeit, auf die Bedeutung der Baukultur für das städtische Leben hinzuweisen und die Bewohner für die Schönheit ihrer Stadt zu begeistern.

Die diesmalige Ehrung gilt einer Gruppe von Bremer Bürgerinnen und Bürgern, die sich vor 35 Jahren gegen den Bau der Mozarttrasse zur Wehr setzte und damit das Ostertor vor der drohenden Stadtzerstörung rettete. Sie hat damit den Boden für eine neue Planungskultur in Bremen bereitet. Die Bremer Auszeichnung für Baukultur 2009 wurde an die folgenden Mitglieder des Arbeitskreises Ostertorsanierung Dieter Decker, Olaf Dinné, Hanna Ehmke, Dr. Hans-Jürgen Kahrs, Ursel und Thomas Kerstein, Wolfgang Linder, Uwe Martin, Prof. Karsten Schwerdtfeger, Gert W. Settje, Hans Martin Sixt, Ulrike Schellpeper und Herbert Wulfekuhl verliehen.

Begründung
Der Arbeitskreis Ostertorsanierung ist im März 1969 gegründet worden, um die betroffene Bevölkerung an der Ostertorsanierung zu beteiligen und die Ziele der Sanierung kritisch zu begleiten. Anfangs hat er Befragungen im Ostertorviertel durchgeführt, danach eine Reihe von Vorschlägen zu einem alternativen Sanierungskonzept gemacht, nach Anhörungen der Einwohner eine Broschüre gegen die Planung der so genannten Mozarttrasse vorgelegt und beharrlich die Verhinderung der Trasse betrieben.

Die Mitglieder des Arbeitskreises standen in der Folgezeit im Zentrum der immer größer werdenden Bewegung gegen die Trassenplanung, gegen den Abriss der historischen Bebauung des Ostertorviertels mit seinen Bremer Häusern und gegen die Entwürfe einer neuen Hochhausbebauung an dieser Stelle. Ihre Initiative hat 1973/1974, also vor 35 Jahren, zum Erfolg gehabt, dass die über den Rembertikreisel hinausgehenden Trassenplanungen eingestellt wurden.

Mit seinem entschiedenen kommunalpolitischen Einsatz hat der Arbeitskreis den Boden für eine neue Planungskultur in Bremen bereitet und vielen Bürgerinnen und Bürgern in der Folgezeit Mut gemacht, sich in Initiativen oder in den Gremien der Stadtteilbeiräte für ihre Interessen in der Stadtplanung einzusetzen. Er hat zudem der breiten Öffentlichkeit den Blick für die urbane Qualität historisch gewachsener Stadtquartiere, ihre denkmalwerte Architektur und ihre kommunikative Funktion geöffnet. Die Auswirkungen seines Einsatzes waren für die bremische Bevölkerung und die Bewohnerschaft der östlichen Vorstadt seinerzeit sehr konkret und sind bis heute anschaulich nachvollziehbar:

  • Die kritische Betrachtung der damals üblichen und bis heute wirksamen Straßenplanungen in innerstädtischen Gebieten wie z.B. bei der Hochstraße am Breitenweg,
  • die Ablehnung Maßstab sprengender Bebauungen entlang solcher Trassen, wie sie z.B. beim 26stöckigen so genannten „Bauhof“ am Rembertikreisel vorgeschlagen wurden,
  • die Beendigung der Flächensanierung und des Abrisses wertvoller Bausubstanz am Rembertikreisel und entlang der geplanten Mozarttrasse,
  • die neue Wertschätzung der dort vorhandenen historischen Bebauung mit Wirkung für andere Bremer Stadtviertel,
  • die Entdeckung und wissenschaftliche / denkmalpflegerische Behandlung des „Bremer Hauses“ als eines gewohnten und seitdem immer mehr begehrten Bautyps in Bremen, ebenfalls mit Wirkung auf andere Stadtviertel,
  • die Entwicklung des „Ostertors“, des „Viertels“, zu einem beliebten Bremer Stadtteil mit eigener Stadtteilkultur.

Der Arbeitskreis hat sich aus all diesen Gründen um die Baukultur Bremens verdient gemacht.

Programm:Luftbild Tangente 1960

Begrüßung:
Dr. Sunke Herlyn
(Bremer Zentrum für Baukultur)

Laudatio:
Hans Koschnick †
(Bürgermeister a. D.)
InternetlinkText Laudatio

Preisverleihung:
Dr. Reinhard Loske
(Senator für Umwelt, Bau. Verkehr und Europa)

Danksagung:
Arbeitskreis Ostertorsanierung
InternetlinkText Danksagung

 Lesen Sie dazu auch den Artikel aus dem Weser Kurier vom 17.01.2009 mit dem Titel "Schulterschluss der alten Gegner".

2009 01 16 Auszeichnung